Das wolfgang schäuble attentat am 12. Oktober 1990 gehört zu den einschneidendsten Ereignissen seiner außergewöhnlich langen politischen Laufbahn. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im baden-württembergischen Oppenau schoss Dieter Kaufmann auf den damaligen Bundesinnenminister. Schäuble wurde lebensgefährlich verletzt und blieb infolge einer Rückenmarksverletzung dauerhaft gelähmt.
Der Anschlag geschah nur neun Tage nach der deutschen Wiedervereinigung – zu einer Zeit, in der Schäuble als einer der wichtigsten politischen Akteure der Einheit galt. Trotz der schweren Folgen zog er sich nicht aus der Politik zurück. Schon wenige Wochen später zeigte er sich wieder öffentlich; anschließend setzte er seine Karriere fort und übernahm später weitere Spitzenämter in Deutschland.
Das Wichtigste zum Attentat auf Wolfgang Schäuble
| Fakt | Information |
|---|---|
| Datum | 12. Oktober 1990 |
| Ort | Oppenau in Baden-Württemberg |
| Tatort | Wahlkampfveranstaltung in der „Brauerei Bruder“ |
| Wolfgang Schäubles Amt | Bundesminister des Innern |
| Täter | Dieter Kaufmann |
| Tat | Zwei Schüsse trafen Schäuble; ein weiterer Schuss verletzte einen Personenschützer |
| Verletzungen Schäubles | Schwere Verletzungen an Kiefer und Rückenmark |
| Dauerhafte Folge | Lähmung vom Bereich des dritten Brustwirbels abwärts |
| Juristische Folge für den Täter | Wegen Schuldunfähigkeit Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung |
Schäuble war zum Zeitpunkt des Anschlags 48 Jahre alt. Er befand sich mitten im Wahlkampf für die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl, die am 2. Dezember 1990 stattfinden sollte.
Was geschah am 12. Oktober 1990 in Oppenau?
Wolfgang Schäuble hatte am Abend des 12. Oktober eine Wahlkampfveranstaltung in der Brauerei Bruder in Oppenau besucht. Der Ort lag in seiner politischen Heimatregion in der Ortenau.
Nach seiner Rede machte sich Schäuble gegen 22 Uhr auf den Weg aus dem Veranstaltungsraum. Dabei näherte sich ihm Dieter Kaufmann von hinten und schoss aus kurzer Entfernung mit einem Revolver auf den Politiker.
Zwei Geschosse trafen Schäuble. Eine Kugel verletzte ihn im Bereich des Kiefers, die andere traf das Rückenmark. Schäuble brach zusammen. Sein Personenschützer Klaus-Dieter Michalsky versuchte einzugreifen und wurde bei einem weiteren Schuss ebenfalls verletzt.
Der Täter konnte unmittelbar nach dem Angriff überwältigt und festgenommen werden.
Schäuble wurde zunächst medizinisch versorgt und anschließend in die Universitätsklinik Freiburg gebracht. Dort kämpften Ärzte um sein Leben. Er überlebte den Anschlag, doch die Rückenmarksverletzung hatte irreversible Folgen: Schäuble blieb vom Bereich des dritten Brustwirbels an abwärts gelähmt und war fortan auf einen Rollstuhl angewiesen.
Der historische Zeitpunkt machte den Anschlag besonders aufsehenerregend. Erst am 3. Oktober 1990 war die deutsche Einheit vollzogen worden. Schäuble hatte als Bundesinnenminister gemeinsam mit dem DDR-Verhandlungsführer Günther Krause maßgeblich am Einigungsvertrag gearbeitet.
Wer war der Attentäter Dieter Kaufmann – und was war sein Motiv?
Der Attentäter hieß Dieter Kaufmann und stammte ebenfalls aus der Region. Zum Zeitpunkt des Anschlags war er 36 Jahre alt.
Nach seiner Festnahme zeigte sich, dass die Tat nicht sinnvoll als gewöhnlich politisch motivierter Anschlag erklärt werden konnte. Kaufmann äußerte gegenüber den Ermittlern ausgeprägte Verfolgungs- und Wahnvorstellungen. Er glaubte unter anderem, staatliche Stellen würden Menschen auf technisch nicht real existierende Weise beeinflussen und quälen.
Für diese vermeintlichen Vorgänge machte er Wolfgang Schäuble mitverantwortlich.
Im späteren Gerichtsverfahren wurde bei Kaufmann eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie festgestellt. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass er zur Tatzeit schuldunfähig war.
Diese Einordnung ist wichtig: Kaufmanns Tat beruhte nach den gerichtlichen Feststellungen wesentlich auf krankheitsbedingten Wahnvorstellungen. Daraus lässt sich weder eine allgemeine politische Bewegung noch ein rational nachvollziehbares politisches Motiv ableiten.
Ebenso wäre es falsch, psychische Erkrankungen generell mit Gewaltbereitschaft gleichzusetzen. Entscheidend für die juristische Bewertung waren Kaufmanns konkrete Erkrankung, sein Zustand während der Tat und die daraus resultierende fehlende Schuldfähigkeit.
Kannte Wolfgang Schäuble seinen späteren Attentäter schon vorher?
Zwischen Wolfgang Schäuble und Dieter Kaufmann hatte es bereits vor dem Anschlag einen indirekten politischen Bezug gegeben.
Kaufmann war zuvor in Spanien wegen eines Drogendelikts inhaftiert worden. Schäuble hatte sich als zuständiger Wahlkreisabgeordneter dafür eingesetzt, dass Kaufmann seine Haftstrafe in Deutschland verbüßen konnte.
Dieser Umstand wird in manchen Darstellungen verkürzt so wiedergegeben, als habe Schäuble den späteren Attentäter persönlich gut gekannt. Das ist missverständlich. Der dokumentierte Vorgang zeigt vor allem, dass Schäuble sich in seiner Funktion als Abgeordneter mit Kaufmanns Fall beschäftigt hatte. Eine enge persönliche Beziehung lässt sich daraus nicht ableiten.
Gerade dieser Unterschied ist für die Einordnung des Attentats wichtig: Der Anschlag war kein dokumentierter persönlicher Konflikt zwischen zwei eng miteinander bekannten Menschen.
Warum saß Wolfgang Schäuble nach dem Attentat im Rollstuhl?
Die entscheidende Verletzung entstand durch den Schuss, der Schäubles Rückenmark traf.
Dadurch kam es zu einer dauerhaften Querschnittlähmung. Schäuble war vom Bereich des dritten Brustwirbels abwärts gelähmt. Seine Beine konnte er nicht mehr bewegen, weshalb er für den Rest seines Lebens einen Rollstuhl benutzte.
Das Attentat veränderte damit seinen gesamten Alltag. Dennoch wollte Schäuble nicht dauerhaft über seine Behinderung definiert werden. Politisch blieb er außerordentlich aktiv.
Eine häufig zu findende Aussage lautet, Schäuble sei bereits sechs Wochen nach dem Attentat vollständig in die Politik zurückgekehrt. Hier lohnt sich eine genauere zeitliche Einordnung.
Am 22. November 1990, knapp sechs Wochen nach den Schüssen, trat Schäuble während seiner Rehabilitation erstmals wieder öffentlich vor die Presse. Rund acht Wochen nach dem Anschlag nahm er seine politische Arbeit wieder auf.
Damit lässt sich erklären, warum unterschiedliche Darstellungen von fünf, sechs oder acht Wochen sprechen: Sie beziehen sich teilweise auf verschiedene Stationen seiner Rückkehr – den ersten öffentlichen Auftritt einerseits und die Wiederaufnahme der politischen Arbeit andererseits.
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Wie ging Wolfgang Schäubles politische Karriere danach weiter?
Das Attentat beendete Schäubles politische Laufbahn nicht. Im Gegenteil: Viele seiner bekanntesten Ämter übernahm er erst danach.
1991 wurde er Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 1998 bis 2000 war er Bundesvorsitzender der CDU. Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel kehrte er 2005 als Bundesinnenminister in die Bundesregierung zurück.
Von 2009 bis 2017 führte Schäuble das Bundesfinanzministerium. In diese Zeit fiel insbesondere die europäische Staatsschulden- und Eurokrise, in der er zu den international bekanntesten deutschen Regierungsmitgliedern gehörte.
2017 wurde er schließlich zum Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt und hatte dieses Amt bis 2021 inne.
Schäuble blieb von seinem erstmaligen Einzug 1972 bis zu seinem Tod Mitglied des Deutschen Bundestages. Als er am 26. Dezember 2023 starb, blickte er auf mehr als fünf Jahrzehnte parlamentarische Arbeit zurück.
Das Attentat war damit zwar ein radikaler körperlicher Einschnitt, aber kein Ende seiner politischen Laufbahn.
Was geschah mit Dieter Kaufmann nach dem Anschlag?
Dieter Kaufmann musste sich 1991 vor dem Landgericht Offenburg verantworten.
Am 6. Mai 1991 kam das Gericht aufgrund der festgestellten paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie zu dem Ergebnis, dass Kaufmann zum Tatzeitpunkt schuldunfähig gewesen war. Statt einer regulären Gefängnisstrafe wurde seine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet.
Fünf Jahre nach dem Attentat, am 12. Oktober 1995, bat Kaufmann Schäuble sowohl in einem Brief als auch öffentlich im Rundfunk um Verzeihung.
2004 wurde er aus der stationären psychiatrischen Unterbringung entlassen und weiterhin behandelt. Dieter Kaufmann starb im Mai 2019 im Alter von 65 Jahren.
Schäuble selbst äußerte sich über den Täter über viele Jahre nur zurückhaltend. Hinweise auf Rachegedanken gibt es nicht. Später machte er deutlich, dass er den Anschlag vor dem Hintergrund von Kaufmanns Erkrankung betrachtete.
Warum ist das Schäuble-Attentat historisch bedeutsam?
Das Attentat war zunächst eine persönliche Katastrophe. Historisch fällt es zugleich in eine außergewöhnliche Phase der deutschen Geschichte.
Wolfgang Schäuble hatte als Bundesinnenminister eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen zur deutschen Einheit gespielt. Am 31. August 1990 unterzeichneten Schäuble und DDR-Staatssekretär Günther Krause den Einigungsvertrag. Am 3. Oktober trat die DDR der Bundesrepublik bei. Nur neun Tage später fielen in Oppenau die Schüsse.
Auch deshalb ist die zeitliche Nähe bemerkenswert: Einer der zentralen politischen Organisatoren der Wiedervereinigung wurde unmittelbar nach diesem historischen Erfolg lebensgefährlich verletzt.
Das Jahr 1990 lenkte zudem verstärkt Aufmerksamkeit auf die Sicherheit prominenter Politiker. Bereits am 25. April war der damalige SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine bei einer Wahlkampfveranstaltung durch ein Messerattentat lebensgefährlich verletzt worden.
Schäubles weitere Laufbahn verlieh seinem Fall darüber hinaus eine besondere Bedeutung. Der Rollstuhl blieb sichtbar, bestimmte aber nicht das Ende seiner politischen Karriere. Über mehr als drei Jahrzehnte nach dem Anschlag nahm er weiterhin zentrale Funktionen in Partei, Regierung und Parlament wahr.
Frequently Asked Questions
1. Wann war das Attentat auf Wolfgang Schäuble?
Das Attentat ereignete sich am 12. Oktober 1990, nur neun Tage nach der deutschen Wiedervereinigung.
2. Wo wurde auf Wolfgang Schäuble geschossen?
Die Tat geschah nach einer Wahlkampfveranstaltung in der „Brauerei Bruder“ im baden-württembergischen Oppenau.
3. Wer schoss auf Wolfgang Schäuble?
Der Täter war Dieter Kaufmann. Bei ihm wurde später eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie festgestellt; das Gericht erklärte ihn zur Tatzeit für schuldunfähig.
4. Warum saß Wolfgang Schäuble im Rollstuhl?
Ein Geschoss verletzte sein Rückenmark. Schäuble blieb dadurch vom Bereich des dritten Brustwirbels abwärts gelähmt und nutzte bis zu seinem Tod einen Rollstuhl.
5. Kannte Schäuble seinen Attentäter vorher?
Es hatte zuvor einen politischen Bezug gegeben: Schäuble hatte sich als Wahlkreisabgeordneter dafür eingesetzt, dass Kaufmann eine in Spanien verhängte Haftstrafe in Deutschland verbüßen konnte. Eine enge persönliche Beziehung ist damit jedoch nicht belegt.
6. Was passierte mit dem Attentäter Dieter Kaufmann?
Das Landgericht Offenburg befand ihn 1991 wegen seiner psychischen Erkrankung für schuldunfähig und ordnete seine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an. 2004 wurde er aus der stationären Unterbringung entlassen. Er starb 2019.
7. Wie schnell kehrte Wolfgang Schäuble nach dem Attentat in die Politik zurück?
Knapp sechs Wochen nach dem Anschlag trat Schäuble erstmals wieder öffentlich vor die Presse. Etwa acht Wochen nach der Tat nahm er seine politische Arbeit wieder auf.
Fazit
Das Attentat auf Wolfgang Schäuble am 12. Oktober 1990 in Oppenau veränderte sein Leben dauerhaft. Dieter Kaufmann schoss nach einer Wahlkampfveranstaltung auf den damaligen Bundesinnenminister. Schäuble überlebte schwer verletzt, blieb jedoch aufgrund einer Rückenmarksverletzung querschnittgelähmt und fortan auf einen Rollstuhl angewiesen.
Für das Verständnis seiner Biografie ist ebenso wichtig, was danach geschah: Schäuble zog sich nicht aus dem öffentlichen Leben zurück. Er wurde Fraktions- und CDU-Vorsitzender, erneut Bundesinnenminister, Bundesfinanzminister und schließlich Bundestagspräsident.
Wer Schäubles politische Bedeutung einordnen möchte, sollte das Attentat deshalb nicht isoliert betrachten. Seine Rolle bei der deutschen Einheit und seine mehr als drei Jahrzehnte währende politische Arbeit nach den Schüssen gehören unmittelbar zu dieser Geschichte.